Foto: ©RENOWATE GmbH

Bauteilaktivierung im baulichen Bestand 

Energetische Gebäudesanierungen sind ein unerlässlicher Baustein, um die von der Europäischen Union (EU) angestrebte Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen. Allein durch entsprechende Sanierungen des Gebäudebestandes könnten die CO2-Emissionen um rund 5 % gesenkt werden. Aktuell allerdings werden in der EU durchschnittlich jährlich weniger als 1 % des nationalen Gebäudebestands renoviert. Die Aufgabe ist also riesig! 

Im Anschluss an die Veranstaltung „Raus aus Gas“ vom 2. Oktober 2024, in deren Rahmen der Vorstandsvorsitzende der Sozialbau AG, Ernst Bach, das Programm der Umstellung der in den Wohnungen installierten Heizungsanlagen der Bestandsbauten der Sozialbau auf fossilfreie zentrale Heizungsanlagen darlegte, liegt der Fokus der nunmehrigen Veranstaltung auf innovativen Methoden der Bauteilaktivierung im Gebäudebestand. 

Innovative Forschungsprojekte in Wien zeigen, wie die Dekarbonisierung des Gebäudebestands durch Bauteilaktivierung gelingen kann.

Die SOZIALBAU AG als größtes gemeinnütziges österreichisches Wohnbauunternehmen mit rund 55.000 verwalteten Miet- und Eigentumswohnungen fungiert hier als Vorreiter. Ihr Fokus liegt dabei unter anderem auf dem Erforschen und Durchsetzen innovativer Lösungen im Rahmen verschiedenster Pilotprojekte. Die Zwischenbilanz zeigt Erfolge: bereits 75% des SOZIALBAU Portfolios wurden energetisch auf CO2 freie Heizung/Kühlung umgestellt. 60 Projekte wurden demnach schon fertiggestellt, rund 100 projektiert und 70 stehen noch offen. 

Im Rahmen der Veranstaltung werden drei Beispiele referiert:

Case#1: Große Neugasse: Bauteilaktivierung durch Fassadentemperierung 

Im Frühjahr 2022 wurde das Pilotprojekt zur Fassadentemperierung in der Großen Neugasse umgesetzt. In in die Fassade gefräste Schlitze wurde ein feinmaschiges Netz von Wasserschläuchen verlegt, mit einer Wärmedämmung abgedeckt und wieder verputzt. Das in der Fassade zirkulierende im Wege von Erdsondern temperierte Wasser (im Winter warm, im Sommer kühl) führt zu einer Veränderung der Raumtemperatur um 2-3 Grad. Dies entspricht einer Reduktion des Heizaufwandes von 20-25%.

Case#2: Baumit Klebeanker 

Der Baumit Klebeanker ist ein  Befestigungssystem für Wärmedämmverbundsysteme (WDVS), das EPS-Dämmplatten mechanisch im Untergrund verankert, statt sie klassisch zu dübeln. Es ermöglicht bis zu 5-mal schnellere Montage, verbessert den U-Wert durch Vermeidung von Wärmebrücken, verhindert Dübelabzeichnungen und ist für verschiedene Untergründe wie Beton oder Ziegel geeignet. Eine messtechnische Untersuchung zum Vergleich von Montagemethoden für eine Bauteiltemperierung (Wand) der TU-Wien durch DI Dr.techn. Maximilian Neusser gibt Anlass zu Optimismus, mit dem Klebeanker die Kosten nochmals deutlich zu senken.


Case#3: Arenberggasse: Serielle Sanierung 

Ein hochaktuelles Pilotprojekt im Rahmen der Forschungsinitiative Renvelope ist das der ersten seriellen Gebäudesanierung Wiens in der Arenberggasse. An den rund 900 m² Fassade des Wohnhauses werden vorgefertigte Fassadenmodule mit integrierter Bauteilaktivierung zur Heizung und Kühlung der Fassade angebracht. Die serielle Sanierung gilt aufgrund der deutlich beschleunigten Umsetzungszeit durch die vorgefertigten Module und nachhaltigen Energiekosteneinsparung als zukunftsweisende Sanierungsmethode. So soll der Heizwärmebedarf in der Arenberggasse um bis zu 85 Prozent reduziert werden. Das führt zu einer Energiekosteneinsparung von rund 50 Prozent. Die Sanierung wurde von Renowate in Zusammenarbeit mit dem Holzbauunternehmen Weissenseer durchgeführt.

Programm

17:00 Begrüßung, Hans Staudinger, Überbau Akademie

17:05 Vorträge Dekarbonisierung durch Bauteilaktivierung im Bestannd

Case#1: Große Neugasse – Fassadentemperierung, Ernst Bach, Sozialbau

Case#2: Klebeanker als Träger, Ernst Bach, Sozialbau

Case#3: Arenberggasse – Serielle Sanierung, Rainer Scheidle, Renowate

18:15 Diskussion 


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